EU-Einreise-/Ausreisesystem seit 10.4.2026 voll funktionsfähig – Meilenstein oder Flop?
Das lange angekündigte neue Einreise- und Ausreisesystem (EES) der EU wird seit 10.4.2026 an sämtlichen Grenzübergängen der Schengen-Außengrenze vollständig angewendet. Die ersten Erfahrungen sind gemischt.
Österreichische Medien berichten vom „durchschlagenden Erfolg“ der Einführung des EES am Flughafen Wien.
Britische Medien schreiben hingegen von „Chaos“, als am Sonntag mehr als 100 Easyjet-Passagiere am Flughafen Mailand-Linate strandeten, nachdem sie stundenlang in der Passkontrolle angestanden hatten.
Das EES wird seit September am Flughafen Wien getestet und ist seit 10.4.2026 voll funktionsfähig. Von den über 730.000 Passagieren, die in den letzten sechs Monaten am Flughafen Wien einreisten, wurde rund 290 Passagieren im Zuge der vorläufigen EES-Registrierung die Einreise nach Österreich verweigert. Der Leiter des Flughafens Wien gab an, dass 96 % der Passagiere weniger als fünf Minuten benötigten, um ihre Daten im EES zu registrieren.
Nach dem neuen Einreise- und Ausreisesystem der EU müssen sich Nicht-EU-Bürger, die für Kurzaufenthalte von bis zu 90 Tagen innerhalb eines Zeitraums von 180 Tagen in den Schengen-Raum reisen, bei jedem Überschreiten der Außengrenzen des Schengen-Raums registrieren und ihre biometrischen Daten übermitteln. Das EES gilt für Nicht-EU-Bürger, unabhängig davon, ob sie für die Einreise in den Schengen-Raum ein Visum benötigen oder nicht.
Das EES gilt jedoch vor allem nicht für:
- Nicht-EU-Bürger, die über einen Aufenthaltstitel (zB Privatiers, besonders Hochqualifizierte) oder ein Visum für einen längerfristigen Aufenthalt verfügen,
- Familienangehörige von EU- oder EWR-Bürgern, und
- unternehmensintern transferierte Mitarbeiter, Forscher, Studenten, Au-pairs, sowie Teilnehmer an Schüleraustauschprogrammen, Bildungsprojekten und Freiwilligendiensten.
Das EES ersetzt die Ein- und Ausreisestempel im Reisepass und soll die Erfassung von Personen, die die zulässige Aufenthaltsdauer überschreiten, sowie von gefälschten Dokumenten und erschlichenen Visa erleichtern.
Da am Flughafen Wien während des EES-Probebetriebes in den letzten sechs Monaten nur 0,05 % der Passagiere die Einreise verweigert wurde und die Sommerreisezeit bevorsteht, bleibt abzuwarten, ob die zum EES propagierten Verbesserungen der öffentlichen Sicherheit tatsächlich einen Meilenstein darstellen oder ob Passagiere eine erhöhte Aufdeckungsrate im Promillebereich mit langen Wartezeiten an den Grenzen bezahlen werden.
Für Fragen, wie sich das EES auf Sie und Ihre nächste Reise in den Schengen-Raum auswirken könnte, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.